Die maternale Immunität bei Kaninchen: Die erste Verteidigungslinie gegen hochvirulente RHDV2-Stämme

17 Februar 2026

In diesem Interview erklärt Massimiliano Baratelli, Forscher bei HIPRA, die Rolle der passiven Immunität und warum das Verständnis ihrer Dauer für eine wirksame Impfstrategie entscheidend ist.

Warum ist die maternale Immunität so wichtig für den Schutz vor RHDV2?

Die maternale Immunität bei Kaninchen spielt eine entscheidende Rolle beim Schutz junger Kaninchen vor hochpathogenen Viren wie der Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD), insbesondere wenn wir uns auf RHDV2-Stämme beziehen.

Im Gegensatz zu klassischen RHDV-Stämmen kann RHDV2 bei sehr jungen Kaninchen Mortalität verursachen, selbst bei niedrig virulenten Varianten, wenn keine maternale Immunität vorhanden ist.

Wie im Interview hervorgehoben:

"Im Gegensatz zum klassischen RHDV-Virus kann RHDV2, unabhängig davon, ob es sich um eine niedrig oder hoch virulente Variante handelt, bei jungen Kaninchen in Abwesenheit dieser spezifischen Immunität Mortalität verursachen.“

Dies macht die maternale Immunität in den frühen Lebensphasen besonders wichtig.

Darüber hinaus ist bekannt, dass die Mortalität bei jungen Kaninchen genau dann ansteigt, wenn die maternale Immunität nachlässt:

"Mehrere Studien zeigen zudem, dass die Mortalität bei jungen Kaninchen genau und präzise dann ansteigt, wenn diese Immunität zu schwinden beginnt.“

Deshalb ist es entscheidend zu verstehen, wie die maternale Immunität funktioniert — und vor allem, wie lange sie anhält — um Impfstrategien zu optimieren und Immunitätslücken bei jungen Kaninchen zu vermeiden.

 

Das Risiko der Immunitätslücke

Die maternale Immunität hält nicht unbegrenzt an. Mit der Zeit nimmt sie ab, und es kann ein kritischer Zeitraum entstehen, in dem:

  • Der maternale Schutz nicht mehr ausreichend ist. Dies kann aus verschiedenen Gründen geschehen: Das Kaninchen verfügt möglicherweise nicht über ausreichend maternale Immunität, es fehlen spezifische Antikörper zur Bekämpfung hochvirulenter Stämme oder es hat überhaupt keine maternale Immunität erhalten.

     

  • Das eigene Immunsystem des Kaninchens noch nicht vollständig kompetent ist. Bei der Geburt sind Kaninchen physiologisch unreif: Sie sind unbehaart, ihre Augen bleiben bis etwa zum 10. Lebenstag geschlossen und ihre lymphatischen Organe sind noch nicht vollständig entwickelt. Lymphfollikel beginnen sich im Alter von etwa zwei Wochen zu bilden. Mit zunehmender Reife steigt die Anzahl der Follikel, und es kommt zu einer deutlichen postnatalen Entwicklung in der Verteilung von Lymphozytensubpopulationen in Milz, Lymphknoten und peripherem Blut. Daher ist das Immunsystem in den ersten Lebenswochen möglicherweise noch nicht ausreichend kompetent, um eine starke und langanhaltende Immunität aufzubauen.

     

  • Der Impfzeitpunkt wurde möglicherweise nicht optimal gewählt. Unter Berücksichtigung sowohl der Reifung des Immunsystems als auch der vorhandenen maternalen Immunität kann die Bestimmung des optimalen Impfzeitpunkts eine Herausforderung darstellen. Einige Impfstoffe erlauben eine Verabreichung ab einem Alter von 30 Tagen. Es ist jedoch entscheidend, genau darauf zu achten, welcher Impfstoff verwendet wird und für welches Alter seine Anwendung vorgesehen ist.

 

Abschließende Gedanken

Das Verständnis der maternalen Immunität bei Kaninchen ist nicht nur ein wissenschaftliches Konzept — es hat direkte praktische Konsequenzen:

  • Reduzierung der durch RHDV2 verursachten Mortalität
  • Verbesserung und Optimierung von Impfprotokollen bei Kaninchen
  • Stärkung der individuellen Immunität gegen die Rabbit Haemorrhagic Disease
  • Verhinderung von RHD-Ausbrüchen

Um die Immunitätslücke bei jungen Kaninchen zu verhindern, ist es entscheidend, genau zu verstehen, wann die maternale Immunität abnimmt, damit die Impfung zum optimalen Zeitpunkt erfolgen kann.

Die Impfung ist jedoch nicht das einzige Instrument zur Verhinderung einer RHD-Infektion. Auch Biosicherheitsmaßnahmen sollten angewendet werden, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. In Verdachtsfällen werden Isolation, Reinigung und Desinfektion dringend empfohlen, da dieses Virus in der Umwelt äußerst widerstandsfähig ist.

Im zweiten Teil dieses Interviews mit Massimiliano Baratelli werden wir uns darauf konzentrieren, wie lange die maternale Immunität anhält und wie sie übertragen wird — zwei entscheidende Elemente zur Optimierung der Impfung bei Kaninchen.